Michael
Sommer

»Pate«

 

Wow. Festivalpate. Das ist eine Ehre für mich, über die ich mich sehr freue. Paten begleiten beim Aufwachsen und hoffentlich auch beim Spielen. Darüber habe ich ein bisschen nachgedacht und mir drei Gründe überlegt, warum Theater für junge Menschen das beste ist. Mein erster Grund geht so: Wie kommen wir an die Geschichten, die wir auf der Bühne erzählen wollen?

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FOTOGRAFIE | Robert Haas

Wir stoßen auf sie, wenn wir der Welt und uns selbst zuhören. Das Problem der meisten Erwachsenen ist, dass wir uns schon so wahnsinnig gut mit allem auskennen. Das glauben wir, damit wir nicht so viel Angst vor dem Unbekannten haben müssen. Aber wer hört noch zu, wer sieht hin, wenn es nichts Neues zu entdecken gibt? Für junge Menschen ist die Welt dagegen viel mehr Chaos und Wunder. Gute Entdecker*innen staunen erst mal und stellen Fragen, statt gleich Antworten zu geben.

Wer gutes Theater macht, hört mit jungen Ohren.

Mein zweiter Grund geht so: Wie erzählen wir unsere Geschichten auf der Bühne? Wir probieren sie aus und spielen damit. Und zwar so, dass es Spaß macht. Das Problem von erfahrenen Theaterleuten ist, dass wir schon vorher wissen, wie es geht. Wer einen eigenen Stil gefunden hat, muss sich ja treu bleiben. Aber um was geht es? Um mich als Theatermensch oder um die Geschichte? Kinder spielen am besten von allen Menschen, weil sie ganz in ihrem Spiel aufgehen.

Alles ist möglich, alles darf auf den Kopf gestellt werden, solange es schön ist, dir und mir Freude bereitet.

Wer gutes Theater macht, spielt wie ein Kind.

Mein dritter Grund geht so: Wem erzählen wir unsere Geschichten? Wir überlegen uns, für welches Zielpublikum es einen Markt gibt. Das könnte zum Beispiel ein gebildetes, wohlhabendes, älteres Publikum ohne Migrationshintergrund und Handicaps sein. Für die machen wir dann schön, erfolgreich und sehr exklusiv Theater. Aber was ist besser: Für viele spielen oder für wenige? Als Kinder brauchen wir weder Geld, Glamour noch Hightech, um gut miteinander zu spielen, wir brauchen nur eines: Fantasie. Ein Spiel ist dann gut, wenn es einfach ist und das Beste daran im Kopf und im Herzen stattfindet. Vor allem deshalb, weil es dann automatisch inklusiv und divers und offen für alle wird.

Wer gutes Theater für junge Menschen macht, macht gutes Theater für alle Menschen.

»Spielplätze sind Landeplätze, auf denen das Neue in die Welt kommen kann.«

» Hüther | Quarch, RETTET DAS SPIEL «

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